Vertiefung in der Traumatologie Teil2

Welche Arten und Behandlungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung (Teil 2: bleibendes Gebiss)

Im bleibenden Gebiss gibt es wie im Milchgebiss verschiedene Arten von Zahnunfällen. Es kann sich um die ganze Zahnkrone handeln, die abbricht oder nur um kleine oberflächliche Absplitterungen.

Auch im bleibenden Gebiss kann zwischen komplizierten und unkomplizierten Zahnkronenfrakturen unterschieden werden. Die Therapieoptionen sehen, wie im vorherigen Newsletter schon erläutert, ähnlich aus.

Bei unkomplizierten Zahnkronenfrakturen, bei der nur Abplatzungen der oberen Zahnschichten stattgefunden haben, gelten als Therapieoptionen die Glättung, Füllung bis hin zur künstlichen Zahnkrone bei großen Defekten. Regelmäßige Nachkontrollen des betroffenen Zahns sind unabdingbar.

Bei komplizierten Zahnkronenfrakturen mit Beteiligung des Nervs muss je nach Ausprägung eine direkte Abdeckung und Säuberung des oberen Nervanteils oder ggf. direkt eine sogenannte „Wurzelkanalbehandlung“ eingeleitet werden. Regelmäßige Nachkontrollen auch mit Röntgendiagnostik sind notwendig.

Wenn eine Beteiligung von Krone und Wurzel bei der Fraktur vorliegt, muss durch die Teilentfernung geschaut werden, ob der Zahn erhaltungswürdig ist. Dieser muss dann entweder gezogen werden oder mit Wurzelkanalbehandlung und Krone und ggf. KFO Behandlung versorgt werden.

Zudem kann es auch zu Verletzungen des Zahnhalteapparates ohne/mit Lockerung des Zahnes kommen (Konkussion/Subluxation). Regelmäßige Kontrollen, die ersten zwei Wochen weiche Kost und, je nach Schweregrad, eine Schienung der betroffenen Zähne sind angeraten.

Bei einem Heraustreten des Zahnes aus dem Zahnfach durch Lockerung ist bei bleibenden Zähnen eine Reinigung der herausragenden Zahnoberfläche mit steriler Kochsalzlösung, Repositionierung, einer Schienung für mindestens 2 Wochen und je nach Ausprägung eine Einleitung der Wurzelkanalbehandlung innerhalb der ersten Woche indiziert. Bei Mitbeteiligung des den Zahn umgebenden Knochens ist eine Schienung der Zähne für 4 Wochen notwendig.

Wird der Zahn durch den Unfall so stark gelockert, dass er in das Zahnfach hineingedrückt wird, muss kontrolliert werden, ob eine Wurzelkanalbehandlung eingeleitet werden muss, außerdem müssen die Zähne für mindestens 4 Wochen geschient werden. Die Prognose fällt von Fall zu Fall unterschiedlich aus.

Ist der Zahn komplett aus dem Zahnfach heraus ist schnelles Handeln erforderlich. Am besten der Zahn wurde schon am Unfallort direkt in das Zahnfach zurückgesteckt. Ansonsten findet in der Praxis/Klinik eine Wundsäuberung statt, der Zahn wird 20 min. in ein Nährmedium gelegt und dann wieder in das Zahnfach hineingesteckt. Die weitere Therapie besteht aus einer sofortige Schienung des Zahnes für 2-4 Wochen und die Einleitung einer Wurzelkanalbehandlung nach spätestens 7-10 Tagen.

Es kann lebenslang zu Folgeschäden des Zahnes kommen!